dimanche, mars 20, 2005

Über die Erziehung


Peter Karvas, Unvollendete für Kinderstimme, extrait



Es gibt da ein Gesetz, ein eisernes, man soll den Vater niemals bei der Arbeit stören. Dieses Gesetz gilt immer, vorbehaltlos und unwiderruflich - bis auf gewisse Ausnahmen, an die Millionen Aussnahmen...
Zum beispiel, wenn sich sacht die Glastür öffnet - und der Herr Sohn schuldbewusst auf der Schwelle steht. Er ist sich der Schwere seines Vergehens bewusst, aber er kann nicht anders, er kann nicht widerstehen. Den Zeigefinger mit dem rosigen Nagel an der Unterlippe, überlegt er, wie er am besten beginnen kann, die langen Wimpern sind gesenkt wie von einer Sündenlast. Endlich rafft er sich auf, holt tief Luft und beginnt ziemlich leise, nur so laut, um das Klappern der Schreibmaschine zu übertönen: "Papi ..."Ich seufze ungeduldig, schaue absichtlich konzentriert zur Decke, aber das ändert an der Sache nichts. Schliesslich wende ich mich dem Nachkommen zu. Wie er dort voller Ungeduld in der Tür steht, ist er das verkörperte schlechte Gewissen: das wird kein gutes Ende nehmen, aber er kann nicht anders, nein, er kann nicht widerstehen."Wie oft soll ich dir noch sagen ...!" beginne ich mit gehobener Stimme und gleichsam routinemässig."Ja", sagt er gewitzt, "aber diesmal ist es wichtig. Wirklich! Ehrenwort, es ist wichtig!"
Das Ehrenwort eines so grossen Jungen ist eine ernste Sache. Trotzdem stelle ich mich kühl, soweit das geht (aber überzeugend is das nicht), und frage ihn wie jemand, den die Antwort überhaupt nicht interessiert: " Nun, worum geht's?" Schnell!"
Der Sohn blinzelt aufgeregt, fasst Mut, macht hinter sich die Tür zu und kommt zum Schreibtisch. Er sieht mich mit seinen schwarzen, lebhaften Augen an und sagt unerwartet: "Papi, erzieh mich ein bisschen!"

Huile sur plastique, 55x40, souvenir du japon